Courage zeigen – inmitten brutaler Unmenschlichkeit?
„Wenn keiner an dich denkt, deine Mutter denkt an dich.“
Was bedeutet dieses Zitat hier an der Wand der engen, stickigen Zelle? Ein 15jähriger hier unten im Gestapo-Gefängnis des EL-DE-Hauses? So fragen gleich mehrere Auszubildende, als sie das Zitat von Hans Weinsheimer aus dem Jahr 1944 entdecken. Dabei sind sie völlig konzentriert trotz der Hitze des Tages – so um die 40 Grad. Unser Guide nimmt uns, wie schon bei der gesamten Führung, mit hinein in die Zeit von damals. Hans ist 15, als er aufgrund regimekritischer Öffentlichkeitsarbeit im Keller des El-DE-Haus inhaftiert wird – mit ca. 20 anderen in einer witzigen Zelle – unter lebensgefährdeten Bedingungen.
Aber da ist seine Mutter. Sie kommt und bringt Lebensmittel. Eine Gefängniswache lässt dies zu. Ein Wunder? Auf jeden Fall ein Wunder an Zivilcourage!
Die 22 Auszubildenden aus dem Bildungsgang Fachkraft für Lagerlogistik sind beeindruckt, nicht nur von dem Schicksal von Hans und seiner Mutter, sondern auch durch zahlreiche weitere bewegende Eindrücke, die sie bei ihrer Exkursion erleben. Schon im Unterricht hatten sie sich auf den Tag vorbereitet, auch im intensiven Austausch und Gespräch über den zunehmenden Rassismus und die erlebbare Gewalt heutzutage.
Wie lässt sich auch heute Courage zeigen? Dazu erarbeiten sie bei der gemeinsamen Evaluation unterschiedliche Optionen:
– zu begreifen, was unter Rassismus und Diskriminierung zu verstehen ist
– eigene Anteile zu entdecken und diesen entgegenzuwirken
– bei rassistischen Auseinandersetzungen dazwischen zu gehen, verbal und deeskalierend, ohne sich persönlich zu schaden
– die Vergangenheit aufzuarbeiten, um die Gegenwart zu verstehen und sich klar zu positionieren
Ein Auszubildender formulierte, durch die AG habe er „Lust, für eine Welt ohne Rassismus zu kämpfen“.


